Inklusion – Versuch einer Definition


Inklusion ist weit mehr als das Einbeziehen von Kindern und Jugendlichen in ein inklusives Bildungssystem. Inklusion ist Teil des Menschenrechte-Kontexts:


"Inklusion bedeutet allgemein das Einbeziehen von Teilen in und zu einem Ganzen.


Zunehmend verstehen wir diesen Begriff auch als ein Konzept des
menschlichen Zusammenlebens: Inklusion bedeutet hier, die Teilhabe von
Einzelnen an einer Gemeinschaft zu ermöglichen sowie die Barrieren für eine
solche Teilhabe zu erkennen und aktiv zu beseitigen.


Je unterschiedlicher und vielfältiger die Menschen einer Gruppe sind, desto mehr
kann die Gemeinschaft und jeder Einzelne in ihr profitieren. Inklusion bedeutet
daher vor allem, die in einer Gemeinschaft vorhandenen Formen von Vielfalt zu
erkennen, wertzuschätzen und zu nutzen.


Im deutschsprachigen Bereich kennen wir inklusive Konzepte bisher vor allem
aus dem Bildungs- oder Erziehungsbereich. Begriffe wie „Diversity Management“,
„Community Care“, „Sozialraumorientierung“ etc. rücken bereits die Wertschätzung von Vielfalt und die soziale Einbindung und Gleichstellung von Personen(-gruppen) in den Vordergrund.


Im englischsprachigen Raum werden solche Konzepte bereits seit einiger Zeit in
einem größeren Zusammenhang angewendet: Inklusion bezeichnet hier allgemein
das Bestreben, jegliche Arten von Institutionen, Organisationen oder
Unternehmen so zu gestalten, dass sie alle Menschen, die mit ihnen Kontakt
haben, freundlich empfangen und willkommen heißen.


Diese Sicht setzt sich auch bei uns immer stärker durch. Mittlerweile verstehen
wir Inklusion mehr und mehr als Prozess, der von unterschiedlichsten Standorten
aus gestartet und gepflegt werden kann. Inklusion gilt deshalb heute als realistischer und realisierbarer Anspruch und Leitidee für jegliche Institution, die die Verschiedenheit von Menschen anerkennen und einbeziehen will.


Im Folgenden stellen wir einige zentrale Werte und Gedanken zusammen, die für
inklusive Konzepte und Prozesse von Bedeutung sind:


- Inklusion verfolgt das Ziel, das Menschenrecht einzelner Personen auf
Teilhabe am Leben in allen gesellschaftlichen Bereichen zu etablieren.


- Inklusion versteht die Verschiedenheit (Heterogenität) von Menschen als
bereichernde Vielfalt und versucht, sie aktiv zu nutzen. Dazu gehören verschiedene Arten von Heterogenität: persönlich, regional, sozial, kulturell
und anders bedingte Eigenschaften und Fähigkeiten, Geschlechterrollen,
ethnische Herkünfte, Nationalitäten, Erstsprachen, Rassen, soziale Milieus,
Religionen, weltanschauliche Orientierungen, körperliche Bedingungen etc.


- Inklusion begreift Verschiedenheit und Vielfalt ganzheitlich und wendet sich
gegen Zwei-Gruppen-Kategorisierungen wie „Deutsche und Ausländer“,
„Behinderte und Nichtbehinderte“, „Heterosexuelle und Homosexuelle“, „Reiche
und Arme“ etc. Diese Kategorien reduzieren die Komplexität menschlicher
Vielfalt und werden einzelnen Personen nicht gerecht.


- Inklusion erkennt jede Person in ihrer Einmaligkeit an und begreift die Gruppe
als unteilbares Spektrum von Individuen. Dabei geht es auch um die
Vielfalt (in) einer Person, die, in unterschiedlichen Zusammenhängen, bereits
unterschiedliche Kompetenzen, Bedarfe und Stärken zeigen kann.


- Inklusion wendet sich gegen jede gesellschaftliche Tendenz, Menschen an
den Rand zu drängen. Inklusion stellt vielmehr Brücken und „Sprungbretter“
für Teilhabe bereit, um die Vision einer inklusiven Gesellschaft zu realisieren.


- Inklusion vermittelt das Bewusstsein und die Kompetenz, die vielfältigen
Quellen, Formen und Strukturen von Diskriminierung erkennen zu lernen
und nachhaltig zu beseitigen.


- Inklusion begegnet jedem Einzelnen, innerhalb und außerhalb einer Organisation/ Einrichtung, mit Fairness und Solidarität, Offenheit und Respekt.
Ziel ist es, in und zwischen allen Menschen und Systemen Fähigkeiten zu erkennen, freizusetzen und auszubauen.


- Inklusion ist kein Ergebnis, sondern ein Prozess. Inklusion ist eine Leitidee,
an der wir uns konsequent orientieren und an die wir uns kontinuierlich annähern,
selbst wenn wir sie nie vollständig erfüllen können.


Mit dem vorliegenden Arbeitsbuch wollen wir vielfältige Prozesse der Inklusion
anregen, verbreiten und gemeinsam weiterentwickeln. Wie Sie uns dabei unterstützen können, erfahren Sie im nächsten Kapitel."



hier zitiert nach:

Einführung zum Arbeitsbuch

KOMMUNALER IDEX FÜR INKLUSION - Arbeitsbuch

Hrsg.: Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft
Gemeinnützige Stiftung, Bonn, 1. Auflage


Das Arbeitsbuch erhält man im Download unter Link