„Nicht die Menschen müssen sich dem Bildungssystem anpassen, sondern das Bildungssystem muß sich dem Menschen anpassen!“

Vernor Munoz
UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung



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März 2012



Neues Buch zum Thema Inklusion und Bildungsgerechtigkeit


Inklusion ist ein Pflichtthema im deutschen Bildungswesen.
Doch wie setzt man Inklusion konkret um?

Das aktuelle Buch, das im Beltz Verlag erschienen und von Kersten Reich herausgegeben worden ist, bietet hierzu umfangreiche Orientierung:

Mit dem »Equity Foundation Statement« des »School Board of Toronto« werden international erfolgreich eingesetzte Standards und Regeln erstmals für deutsche Verhältnisse adaptiert. Theoretische Grundlagen werden übersichtlich eingeführt.

Auch die praktische Umsetzung wird anhand von Modellen wie dem »Index für Inklusion« ausführlich vorgestellt. Interessierte erhalten so vielfältige Informationen und praktische Hilfsmittel, um Inklusion und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland Realität werden zu lassen.   weiter


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Wie sieht Inklusion praktisch aus?


Wie kann Inklusion an Schulen verwirklicht werden?

Die praktische Umsetzung von Inklusion an deutschen Schulen wird eine der ganz großen Herausforderungen der nächsten Jahre sein.

Dabei ist nicht nur der Blick auf die sachliche und personelle Ausstattung der Schulen zu lenken.

Es wird vorallem auch die Frage nach der pädagogischen und konzeptionellen Unterlegung zu beantworten sein.

Länder wie Großbritannien haben hier schon sehr weitgehende Erfahrungen mit Inklusion an Regelschulen gemacht und Materialien hierfür entwickelt.



Integrationsassistenz in der Schule - Eine Arbeitshilfe


Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen schreibt in Artikel 24 das Recht auf inklusive Bildung fest. Menschen mit Behinderung dürfen nicht auf Grund ihrer Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.


Damit Kinder und Jugendliche mit Behinderungen allgemeinbildende Schulen besuchen können, benötigen sie die Unterstützung von Schulassistentinnen und –assistenten.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat mit ihren Fachausschüssen Offene Hilfen und Kindheit/Jugend ein Praxishandbuch erstellt, dass gute Beispiele von Schulassistenz aufgreift und mit der Bündelung von Materialien aus gelingender Praxis Impulse für die Arbeit vor Ort geben will.    Mehr lesen




Grossbritannien und der Index für Inklusion

In Großbritannien ist Anfang 2000 hierzu in Modellvorhaben ein sogenannter pädagogische "Index für Inklusion - Lernen und Teilhabe in der Schule der Vielfalt entwickeln" erarbeitet worden.

In den Folgejahren ist der Index auf Grundlage der praktischen Erfahrungen aus der Umsetzung an englischen Schulen verfeinert worden.

Der Index ist vom britischen Kultusministerium offiziell an alle Schulen im Königreich verteilt worden und gilt dort als landesweite Empfehlung.
Mitarbeiter der Universität Halle-Wittenberg haben den Index ins Deutsche übersetzt und stellenweise auf deutsche Verhältnisse angepasst.

Das deutsche Index-Dokument ist abrufbar als pdf unter: www.eenet.org.uk/resources/docs/Index German.pdf




Inklusion in Bad Harzburg

Auch in Deutschland gibt es bereits mehrjährige praktische Erfahrungen, wie gelebte Integration aussehen kann.

Während es an Grundschulen bereits häufiger Möglichkeiten gibt, Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, mag es am Beispiel des Werner-von-Siemens-Gymnasiums im niedersächsischen Bad Harzburg schon erstaunlicher sein, daß gesitig behinderte Kinder in einem auf Leistung abzielenden Unterrichtskonzept mit beschult werden können.

Im folgenden Dokument kann man das "Experiment Bad Harzburg" und die Erfahrungen an einer bayerischen Grundschule nachlesen: http://bidok.uibk.ac.at/library/schoeler-gymnasium.html




Weitere Praxisbeispiele

In dem Buch "Auf dem Weg zur Schule für alle" des Bundesverbandes der LEBENSHILFE werden eine Vielzahl von Schulen vorgestellt, die den Weg hin zu einer inklusiven Schule eingeschlagen haben:

- die Sophie-Scholl-Schule in Gießen
- die Grundschule Berg Fidel in Münster
- die Clara-Grunwald-Schule in Hamburg
- die Heinrich-Zille-Grundschule in Berlin
- die IGS Köln-Holweide.

Zudem sind zwei Berichte über die Umsetzung der Inklusion in ganzen Regionen im Buch enthalten. Es geht dabei um:

- die inklusive Schulentwicklung im Bundesland Nordrhein-Westfalen
- der Weg des Kreises Schleswig-Flensburg und der Stadt Flensburg.

Viele der genannten Elemente erscheinen wie eine Blaupause, die nur noch darauf wartet, in Wiesbaden Verwendung zu finden.
Insbesondere die Schilderungen aus Schleswig-Holstein sind nachvollziehbar, da man dort die Hilfe und die Berater der Universität aus Halle-Wittenberg hinzugezogen hat.

Das Buch der LEBENSHILFE ist zwischenzeitig in einer zweiten Auflage aus 2011 neu erschienen und bei unserer Initiative in Wiesbaden verfügbar. Das Buch kann bei uns eingesehen oder ausgeliehen werden.

Auf das Internetangebot der LEBENSHILFE zum Thema Inklusion wird an dieser Stelle verwiesen: www.lebenshilfe-inklusiv.de/




Wie stellen wir uns die Bildung von morgen überhaupt vor?

Unter der Überschrift „ZUKUNFT durch Bildung – Deutschland will's wissen“ führten die Unternehmensberatungsgesellschaft Roland Berger, die Zeitungen BILD und Hürriyet sowie die Bertelsmann Stiftung aktuell eine Befragung zu den Vorstellungen und Wünschen der Bürger zum Thema Bildung(swesen) durch.

Jeder konnte sich online daran beteiligen und sich mit einbringen.
Eine Frage zielte auch auf das Thema inklusive Bildung.

Die Befragung wurde am 10.03.2011 abgeschlossen. 480.000 Personen haben sich daran beteiligt, und es wurden 130.000 auswertbare Fragebögen abgegeben.

Die Ergebnisse der Befragung sind im April in Berlin vorgestellt und der Politik übergeben werden.

Die Ergebnisse stehen als Download zur Verfügung:

www.bildung2011.de/?lang=de&mod=download





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DER KOMMENTAR


Prof. Eckard Rohrmann, 11.2011


Krise der Behindertenpädagogik oder
Krise der Sonderpädagogiken?


Die Behauptung, Behinderten- und Sonderpädagogik befänden sich
in einer Krise, lässt sich in dieser Pauschalität nicht aufrechterhalten.


Sie ist akzeptabel hinsichtlich derjenigen Teile der Heil- und Sonderpädagogik, die davon ausgehen, dass behinderte Menschen besondere Menschen sind, sowie hinsichtlich solcher Sonderpädagogiken
unseres drei-, in Wirklichkeit fünfgliedrigen Schulsystems, die im (fach-)öffentlichen Bewusstsein in der Regel als solche noch gar nicht identifiziert werden.


Quelle: 3/2011 Teilhabe


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