Hessen ist Schlusslicht bei der Inklusion


Wer heute danach fragt, wieviel Kinder mit Beeinträchtigungen in Regelschulen beschult werden, sieht nach Bundesländern verteilt ein sehr unterschiedliches Bild:




Hinweis: %-Zahl gibt den Anteil der Schüler mit Förderbedarf in Regelschulen an


Im Vergleich sieht das für Hessen ganz düster aus:


Während beim Spitzenreiter Schleswig-Holstein 45,5 % der Schüler in Regelschulen beschult werden, sind es in Hessen nur 12,3 % der Schüler.

Nur Niedersachsen ist noch schlechter.


Hessen liegt auch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt mit 20,1 %.


Diese Zahlen sind ein großes Armutszeugnis für die hessische Politik und das hessische Kultusministerium.


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Eine kleine Zeitreise

Inklusion als Thema der hessischen Schulpolitik




Das neue Schulgesetz wird aus der Taufe gehoben


Am 25.01.2011 haben Ministerpräsident Volker Bouffier und die Kultusministerin Dorothea Henzler den Entwurf für ein neues Schulgesetz vorgestellt.

In das neue Schulgesetz soll der Rechtsanspruch auf inklusive Bildung aufgenommen werden, steht aber nach Entwurfslage unter einem Finanzierungsvorbehalt.

Die Kultusministerin Henzler hat sich aktuell am 28.02.2011 in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Die UN-Konvention ermöglicht kein individuelles Recht" hierzu geäussert:

Hier der Link zum Artikel:
www.faz.net/s/Rub5785324EF29440359B02AF69CB1BB8CC/Doc~EB2F73BB65F744C01AE8BE45C715DF144~ATpl~Ecommon~Scontent.htmlhtml

Die UN-Konvention verpflichtet im Ermessen von Frau Henzler Hessen
maximal dazu, die Möglichkeit zur Inklusion zu schaffen.
Der Aufbau einer inklusiven Bildungslandschaft sowie der individuelle
Rechtsanspruch werden von Frau Henzler für das Land Hessen negiert.

Frau Henzler berücksichtigt weder die Stellungnahme des Deutschen
Instituts für Menschenrechte und das Positionspapier der Kultusministerkonferenz noch das vorliegende Rechtsgutachten von Prof. Dr. Eibe Riedel. (Das Gutachten ist verfügbar unter UN-Konvention)




Lesung im Hessischen Landtag
Am 07.04.2011 erfolgte die Lesung des Gesetzentwurfs im Kulturpolitischen Ausschuss. Bereits im Vorfeld zur Sitzung war das Thema Inklusion kontrovers diskutiert worden

Hier der Link auf die Seiten des Hessischen Landtags: 
www.hessischer-landtag.de/icc/Internet/nav/afa/broker.cal?uMen=afa40b21-1512-5d11-b9b7-7912184e3734&uCon=13352743-3af3-b21a-a70e-16402184e373&uTem=aaaaaaaa-aaaa-aaaa-bbbb-000000000008&cal_monthToDisplay=1.2011&cal_startDate=7.4.2011&cal_endDate=7.4.2011

Parallel zur Sitzung im Hessischen Landtag hat unsere Iniatiative zusammen mit der LAG Hessen Gemeinsam leben - gemeinsam lernen den Protest der Eltern und Bürger zum Ausdruck gebracht.

Kern unserer Argumente ist, daß inklusive Bildung als Menschenrecht mit dem Entwurf zum neuen hessischen Schulgesetz nicht verwirklicht wird.

Die Tagespresse in Wiesbaden - aber auch viele andere - haben über unsere Aktion berichtet: 

www.wiesbadener-tagblatt.de/region/wiesbaden/meldungen/10490315.htm

www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=5300&key=standard_document_41224007&mediakey=fs/hessenschau/20110407_1930_news&type=v&jm=7&jmpage=1

www.giessener-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Hessen/Artikel,-Viel-Kritik-bei-Anhoerung-zu-neuem-Schulgesetz-_arid,252049_regid,1_puid,1_pageid,11.html


Sehenswert ist auch der TV-beitrag von BigCityTV:
www.bigcitytv.de/video/Inklusion-jetzt-!-eine-Veranstaltung-der-Initiative-gemeinsam-leben---gemeinsam-lernen/8f9bf75f3a95360084b71a12e7517808



Weiteres zur Anhörung im Hessischen Landtag:

www.fr-online.de/rhein-main/lehrermangel-bremst-schule-aus/-/1472796/8321604/-/index.html

www.nh24.de/index.php/vermischtes/22-allgemein/43891-wiesbaden-demonstration-fuer-gleichstellung-behinderter-im-schulgesetz

www.welt.de/print/welt_kompakt/frankfurt/article13109609/Streit-um-Schulgesetz-im-Landtag.html

www.bild.de/regional/frankfurt/frankfurt-regional/hessische-bildungsreform-bei-experten-umstritten-17304624.bild.html




Wiesbadener Landtagsabgeordnete angefragt

Unsere Initiative hat in den letzten Monaten alle Wiesbadener Landtagsabgeordneten angeschrieben mit der Bitte, Ihre Sichtweise zum Thema Inklusion darzulegen.

In der Zwischenzeit haben Vertreter unserer Initiative schon einzelne Gespräche mit den Wiesbadener Landtagsabgeordneten geführt.

Über alle Gesprächsstände soll an dieser Stelle im Nachgang berichtet werden.




Hessische Landesschülervertretung unterstützt Inklusion

Die Landesschülervertretung (LSV) Hessen hat aktuell am 25.02.2011 ihren Zukunftsplan „Das Schülergerechte Schulsystem“ vorgestellt.

"Mit dem Zukunftsplan präsentierte der hessische Landesschulsprecher Tim Huß in Wiesbaden die Ideen der Schülerinnen und Schüler zu einem neuen, inklusiven und schülergerechten Schulsystem."

„Es ist Zeit, ein System zu schaffen, das allen Schülerinnen und Schülern gerecht wird und das aufhört, Kinder mit Behinderung zu diskriminieren“, sagt Tim Huß.

"Mit dem Schülergerechten Schulsystem, an dem über 30 Organisationen beteiligt wurden, möchte die LSV zeigen, dass auch die Schülerinnen und Schüler Hessens hinter dem inklusiven Gedanken stehen."

Mehr zur Vorstellung des Zukunftsplans findet sich unter

http://lsv-hessen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=389&Itemid=71




Die Gewerkschaft GEW

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat sich klar und eindeutig für Inklusion ausgesprochen und so heißt es:

"Inklusion bedeutet Einbeziehung, Einschluss, Einbeschlossenheit, Dazugehörigkeit. Die Idee der Inklusion besteht darin, dass kein Kind oder Schüler mehr als „andersartig“ angesehen werden soll. Alle Kinder sind förderbedürftig."

Einzelinformationen finden sich unter: www.gew.de/Inklusion_3.html




Lebenshilfe kritisiert Kultusministerkonferenz (KMK)

Als zu „dünn“ bezeichnet Robert Antretter, der Bundesvorsitzende der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung, am 4. April 2011 die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz zur inklusiven Bildung.

Die Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention für die
„Schule für Alle“ würden nicht konsequent umgesetzt.

Antretter: „Damit ist das Wunsch- und Wahlrecht von Kindern mit geistiger Behinderung und ihren Eltern eingeschränkt.“ Zudem sei die zukünftige Rolle der Sonderschulen nur vage beschrieben.

Zur Pressemitteilung:
www.lebenshilfe.de/wDeutsch/aus_fachlicher_sicht/artikel/kmk_kritisiert_und_konzept_der_sophie-scholl-shule.php?listLink=1




Allendorfer Appell


Im Allendorfer Appell aus November 2010 unterstützen Pädgogen und Lehrer aus Hessen ausdrücklich die Hinwendung zu inklusiver Bildung.

Inklusive Bildung zu verwirklichen heisst aber, den qualitativen Rahmen von Bildungsarbeit in Regelschulen neu abzustecken und langfristig zu gestalten.

Wichtig ist, die Herausforderung in diesem Umgestaltungsprozess zu sehen und möglichen Bestrebungen entgegenzuwirken, inklusive Bildung als Sparprogramm einzuführen.

So richtet sich der Appell nicht nur an das hessische Kultusministerium sondern gleichsam auch an Pädagogen und Eltern von Kindern mit und ohne Behinderung.

Der Appell ist publiziert unter http://allendorferappell.wordpress.com/.

Hier kann man auch als Unterstützer dem Appell beitreten.


Inklusion und Konfusion
- Was auf die hessischen Schulen zukommt -

Johannes Batton hat sich unter dieser Hauptüberschrift in zwei Beiträgen mit dem Thema inklusiver Bildung und den Gefahren möglicher Bildungssparprogramme auseinandergesetzt.

Die Beitrag ist zu finden unter:
www.magazin-auswege.de/2010/11/inklusion-und-konfusion/





DER KOMMENTAR, 03.11.2011

Johannes Batton äußert sich zur Schulpolitik der hessischen Landeregierung

Mit der Bestandsgarantie für die Förderschulen als Angebotsschulen hat sich das Hessische Kultusministerium (HKM) für die Beibehaltung des Parallelsystems von Förderschulen und inklusiver Beschulung entschieden.

Es hat damit die kostenintensivste Variante sonderpädagogischer
Förderung gewählt.

Da es in Wiesbaden nicht nur an der Bereitschaft fehlt, die hierfür nötigen
Mittel zur Verfügung zu stellen, sondern weil man mit der Inklusion auch noch Geld sparen will, hat man einen (rechtswidrigen2) Ressourcenvorbehalt, der die inklusive Beschulung eines Kindes von dem Vorhandensein der nötigen Mittel abhängig macht, in das Hessische Schulgesetz eingebaut und im Verordnungsentwurf die drastische Absenkung der bisher für den Gemeinsamen
Unterricht geltenden Standards angekündigt.

Von weiteren Plänen des HKM und weniger leicht zu durchschauenden Spar-Mechanismen zu Lasten von Kindern, Eltern und Lehrkräften in Regelschulen und Beratungs- und Förderzentren handelt dieser Artikel.